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Blutdruck in der Schwangerschaft: Normalwerte

Welcher Blutdruck in der Schwangerschaft als normal gilt, welche Werte auffällig sind und wie Sie ihn sicher im Blick behalten.

Anna Hoffmann 9 Min. Lesezeit
Blutdruck in der Schwangerschaft: Normalwerte

Der Blutdruck zeigt an, mit welcher Kraft das Blut gegen die Innenwände der Blutgefäße drückt, und gehört zu den wichtigsten Messwerten bei jeder Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft. Ob der Blutdruck in der Schwangerschaft normal ist oder von den üblichen Werten abweicht, verrät viel darüber, wie gut sich der Kreislauf an die veränderten Anforderungen dieser Zeit anpasst. Dieser Artikel erklärt, welche Werte als normal gelten, wie sich der Blutdruck im Verlauf der Schwangerschaft verändert und worauf werdende Mütter achten sollten.

Was die beiden Blutdruckwerte bedeuten

Bei jeder Messung werden zwei Zahlen erfasst, zum Beispiel „120 zu 80". Die erste, höhere Zahl ist der systolische Wert: Er beschreibt den Druck in den Gefäßen genau in dem Moment, in dem sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt. Die zweite, niedrigere Zahl ist der diastolische Wert und beschreibt den Druck, der herrscht, während sich der Herzmuskel zwischen zwei Schlägen entspannt und wieder mit Blut füllt.

Beide Werte werden in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben – eine historisch gewachsene Maßeinheit, die sich bis heute in der Medizin gehalten hat. Ein Wert von 120/80 mmHg bedeutet also einen systolischen Druck von 120 und einen diastolischen Druck von 80 Millimeter Quecksilbersäule.

Für die Beurteilung ist immer das Zusammenspiel beider Zahlen entscheidend, nicht eine einzelne Zahl für sich genommen. Auch die Situation der Messung spielt eine Rolle: Aufregung, körperliche Anstrengung kurz zuvor oder eine volle Blase können die Werte kurzfristig nach oben verschieben, ohne dass ein gesundheitliches Problem vorliegt. Deshalb wird der Blutdruck in der Schwangerschaft in der Regel wiederholt und unter möglichst ruhigen Bedingungen gemessen.

Normale Blutdruckwerte in der Schwangerschaft

Bei den meisten gesunden Frauen bewegt sich der Blutdruck normal in der Schwangerschaft in einem Bereich, der sich im Lauf der neun Monate leicht verändert. In der ersten Schwangerschaftshälfte sinkt er häufig etwas ab, weil sich die Blutgefäße durch hormonelle Einflüsse weiten. Erst im letzten Drittel steigt er allmählich wieder in Richtung der Werte, die vor der Schwangerschaft üblich waren.

Als grobe Orientierung gilt folgende Übersicht, die individuell aber durchaus abweichen kann:

SchwangerschaftsabschnittTypischer Blutdruckbereich
1. Trimesteretwa 110–120 / 70–75 mmHg
2. Trimesterhäufig niedrigster Punkt, etwa 100–115 / 65–70 mmHg
3. TrimesterAnstieg zurück auf etwa 115–125 / 75–80 mmHg

Werte oberhalb von 140/90 mmHg gelten in der Schwangerschaft unabhängig vom Schwangerschaftsabschnitt als erhöht und sollten ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch dann, wenn nur einer der beiden Werte diese Grenze überschreitet. Da jede Schwangerschaft anders verläuft, ersetzt diese Tabelle keine individuelle Beurteilung durch die betreuende Ärztin oder den betreuenden Arzt.

Welcher Blutdruck ist bei Frauen allgemein normal?

Unabhängig von einer Schwangerschaft stellt sich vielen Frauen die Frage, welcher Blutdruck normal bei Frauen im Alltag ist. Die international gebräuchliche Einteilung unterscheidet dabei nicht nach Geschlecht, sondern nach Wertebereichen, die für Erwachsene allgemein gelten:

  • Optimal: unter 120/80 mmHg
  • Normal: bis etwa 129/84 mmHg
  • Hoch-normal: etwa 130–139/85–89 mmHg
  • Bluthochdruck (Hypertonie): ab 140/90 mmHg

Diese Einteilung gilt grundsätzlich auch für Frauen außerhalb einer Schwangerschaft. Ein Blutdruck normal für eine Frau im Alter von zwanzig Jahren liegt häufig eher am unteren Rand dieser Spanne, während der Blutdruck mit zunehmendem Alter tendenziell ansteigt. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Blutgefäße im Lauf des Lebens etwas an Elastizität verlieren.

Nach den Wechseljahren beobachten Ärztinnen und Ärzte bei vielen Frauen einen spürbaren Anstieg der Werte, was mit hormonellen Veränderungen in Verbindung gebracht wird. Wer wissen möchte, welcher Blutdruck für die eigene Altersgruppe und persönliche Gesundheitssituation als normal gilt, bespricht dies am besten im Rahmen einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung, da individuelle Faktoren wie Gewicht, Vorerkrankungen oder Medikamente eine Rolle spielen.

Warum sich der Blutdruck in der Schwangerschaft verändert

Der Körper durchläuft während der Schwangerschaft tiefgreifende Anpassungen, die auch den Kreislauf betreffen. Bereits in den ersten Wochen sorgt das Hormon Progesteron dafür, dass sich die Wände der Blutgefäße entspannen und weiten. Dieser Effekt senkt den Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss, und erklärt, warum der Blutdruck im ersten und zweiten Trimester häufig niedriger ausfällt als sonst.

Gleichzeitig steigt das Blutvolumen im Körper deutlich an, da die Plazenta und der wachsende Fötus versorgt werden müssen. Das Herz schlägt schneller und pumpt insgesamt mehr Blut pro Minute – beides Anpassungen, die notwendig sind, damit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe zum Kind gelangen.

Im dritten Trimester gleichen sich diese gegenläufigen Effekte zunehmend aus, sodass der Blutdruck wieder in Richtung der Werte vor der Schwangerschaft steigt. Diese Entwicklung ist bei den allermeisten Schwangerschaften ein normaler, unbedenklicher Vorgang. Ärztliche Kontrollen dienen in erster Linie dazu, ungewöhnliche Abweichungen von diesem typischen Muster frühzeitig zu erkennen.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Formen und Warnzeichen

Steigt der Blutdruck in der Schwangerschaft dauerhaft auf Werte ab 140/90 mmHg, sprechen Fachleute von Bluthochdruck. Dabei werden verschiedene Formen unterschieden, die medizinisch unterschiedlich eingeordnet werden:

  • Chronische Hypertonie: Der Bluthochdruck bestand bereits vor der Schwangerschaft oder wird bereits in den ersten Schwangerschaftswochen festgestellt.
  • Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Gestationshypertonie): Erhöhte Werte treten erst nach der 20. Schwangerschaftswoche neu auf, ohne dass weitere Auffälligkeiten vorliegen.
  • Präeklampsie: Hierbei kommt zum erhöhten Blutdruck eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin oder weitere Anzeichen einer Organbeteiligung hinzu. Diese Kombination gilt als ernstzunehmende Erkrankung, die eine engmaschige medizinische Betreuung erfordert.

Zu den Anzeichen, die zusätzlich zu erhöhten Blutdruckwerten aufmerksam machen sollten, zählen starke, plötzliche Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwellungen an Händen und Gesicht, Schmerzen im Oberbauch sowie ein allgemeines Unwohlsein, das über übliche Schwangerschaftsbeschwerden hinausgeht. Solche Symptome sollten immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden, unabhängig davon, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Weil sich Bluthochdruck in der Schwangerschaft zunächst oft ohne spürbare Beschwerden entwickelt, gehört die Blutdruckmessung standardmäßig zu jeder Vorsorgeuntersuchung. Eine Diagnose und die Entscheidung über eine mögliche Behandlung liegen ausschließlich in ärztlicher Hand, da individuelle Faktoren wie bestehende Erkrankungen, das Alter oder eine Mehrlingsschwangerschaft berücksichtigt werden müssen.

Niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft

Neben erhöhten Werten kommt in der Schwangerschaft auch niedriger Blutdruck, medizinisch Hypotonie genannt, recht häufig vor, besonders im ersten und zweiten Trimester. Er ist meist eine direkte Folge der beschriebenen Gefäßerweiterung und gilt im Allgemeinen als weniger besorgniserregend als Bluthochdruck.

Typische Anzeichen eines niedrigen Blutdrucks sind Schwindel, ein Schwarzwerden vor den Augen beim schnellen Aufstehen, Müdigkeit oder ein kurzes Gefühl von Benommenheit. Diese Beschwerden lassen sich oft durch einfache Alltagsanpassungen lindern, etwa langsames Aufstehen, ausreichendes Trinken und regelmäßige, kleinere Mahlzeiten.

In den meisten Fällen ist ein niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft nicht gefährlich für Mutter oder Kind. Treten die Beschwerden jedoch häufig auf, sind sehr ausgeprägt oder führen zu Stürzen und kurzzeitiger Bewusstlosigkeit, sollte dies mit der betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Arzt besprochen werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft natürlich senken – was im Alltag unterstützen kann

Wer nach Möglichkeiten sucht, Bluthochdruck in der Schwangerschaft natürlich zu senken, findet einige allgemein anerkannte Alltagsmaßnahmen, die den Kreislauf unterstützen können. Diese ersetzen keine ärztlich verordnete Behandlung, können aber begleitend sinnvoll sein, wenn die Ärztin oder der Arzt grünes Licht gibt:

  • Ausreichend Ruhe: Regelmäßige Pausen und ausreichend Schlaf entlasten den Kreislauf.
  • Seitenlage beim Liegen: Vor allem das Liegen auf der linken Seite kann die Durchblutung begünstigen und wird im letzten Trimester häufig empfohlen.
  • Moderate Bewegung: Spaziergänge oder leichte, für die Schwangerschaft geeignete Bewegungsformen können sich positiv auf den Blutdruck auswirken, sofern keine ärztlichen Einschränkungen bestehen.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie ein bewusster, moderater Umgang mit Salz werden allgemein empfohlen.
  • Stressreduktion: Entspannungstechniken wie ruhiges Atmen oder leichte Dehnübungen können helfen, akute Anspannung zu reduzieren.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Regelmäßiges Trinken unterstützt einen stabilen Kreislauf.

Wichtig ist: Wurde bereits eine Form von Bluthochdruck in der Schwangerschaft diagnostiziert, sollten alle Maßnahmen mit der betreuenden Praxis abgestimmt werden. Medikamente dürfen in der Schwangerschaft ausschließlich nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden, da nicht jedes sonst übliche Blutdruckmittel für Schwangere geeignet ist. Eigenständige Anpassungen der Ernährung oder Bewegung sollten daher immer im Austausch mit einer Fachperson erfolgen, besonders wenn bereits Vorerkrankungen oder eine Risikoschwangerschaft vorliegen.

Blutdruck selbst messen: So gelingt eine zuverlässige Messung zuhause

Viele Frauen möchten ihren Blutdruck zwischen den Vorsorgeterminen zusätzlich zuhause im Blick behalten. Damit die Werte aussagekräftig sind, lohnt sich die Beachtung einiger einfacher Grundregeln:

  • Vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig sitzen, ohne vorher Kaffee, Tee oder körperliche Anstrengung.
  • Die Manschette in Herzhöhe am entblößten Oberarm anlegen, nicht über der Kleidung.
  • Während der Messung ruhig sitzen, die Füße flach auf dem Boden, ohne zu sprechen.
  • Die Messung möglichst zur gleichen Tageszeit wiederholen, um Vergleichswerte zu erhalten.
  • Auffällige Werte nicht sofort überbewerten, sondern nach einer kurzen Ruhephase erneut messen.

Ein Blutdrucktagebuch, in dem Datum, Uhrzeit und Messwerte notiert werden, hilft dabei, Entwicklungen über mehrere Wochen zu erkennen und diese bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung vorzulegen. Geräte für den Oberarm gelten dabei allgemein als zuverlässiger als Handgelenkmessgeräte. Wer wiederholt Werte über 140/90 mmHg misst oder zusätzliche Beschwerden bemerkt, sollte dies nicht bis zum nächsten regulären Termin aufschieben, sondern sich zeitnah an die betreuende Praxis wenden.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Blutdruck ist in der Schwangerschaft noch normal?

Als normal gelten in der Schwangerschaft Werte, die unterhalb von 140/90 mmHg liegen, wobei viele Frauen im ersten und zweiten Trimester eher Werte um 100–120/65–75 mmHg aufweisen. Im letzten Drittel steigen die Werte häufig wieder leicht an. Entscheidend ist immer der individuelle Verlauf, den die betreuende Praxis über die Schwangerschaft hinweg beobachtet.

Ab wann spricht man in der Schwangerschaft von Bluthochdruck?

Von Bluthochdruck spricht man, wenn wiederholt gemessene Werte bei 140/90 mmHg oder darüber liegen. Wichtig ist dabei, dass bereits die Überschreitung eines der beiden Werte ausreicht, um dies als erhöht einzustufen. Eine endgültige Einordnung, etwa als schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck oder Präeklampsie, erfolgt immer durch eine ärztliche Untersuchung.

Ist niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft gefährlich?

Niedriger Blutdruck ist in der Schwangerschaft meist nicht gefährlich und tritt besonders in der ersten Schwangerschaftshälfte häufig auf. Er kann zu Schwindel oder kurzzeitiger Benommenheit führen, lässt sich aber oft mit einfachen Maßnahmen wie langsamem Aufstehen und ausreichendem Trinken lindern. Bei wiederholten, starken Beschwerden oder Stürzen sollte dennoch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie kann ich Bluthochdruck in der Schwangerschaft natürlich senken?

Allgemein unterstützend wirken ausreichend Ruhe, moderate, ärztlich abgestimmte Bewegung, eine ausgewogene Ernährung mit maßvollem Salzkonsum sowie Stressreduktion. Diese Maßnahmen können eine ärztliche Betreuung begleiten, aber nicht ersetzen, besonders wenn bereits eine Diagnose vorliegt. Jede Anpassung sollte vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Verändert sich der normale Blutdruck bei Frauen mit dem Alter?

Ja, der Blutdruck steigt bei den meisten Frauen mit zunehmendem Alter tendenziell an, da die Blutgefäße im Lauf des Lebens an Elastizität verlieren. Besonders nach den Wechseljahren wird häufig ein spürbarer Anstieg beobachtet. Welcher Wert im individuellen Fall noch als normal gilt, hängt von weiteren Faktoren wie Vorerkrankungen und Lebensstil ab und wird am besten im Rahmen regelmäßiger Kontrollen besprochen.

Wie oft sollte der Blutdruck in der Schwangerschaft gemessen werden?

Der Blutdruck wird bei jeder regulären Vorsorgeuntersuchung gemessen, deren Abstände die betreuende Praxis je nach Schwangerschaftsverlauf festlegt. Bei Risikoschwangerschaften oder bereits erhöhten Werten kann eine engmaschigere, teils auch häusliche Kontrolle sinnvoll sein. Die genaue Häufigkeit sollte individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden.

Fazit

Der Blutdruck verändert sich während der Schwangerschaft in einem meist vorhersehbaren Muster: leichtes Absinken in der ersten Schwangerschaftshälfte, gefolgt von einem allmählichen Anstieg zum Ende hin. Werte deutlich unter 140/90 mmHg gelten dabei durchgehend als unauffällig, während höhere oder sehr niedrige Werte in Kombination mit Beschwerden immer ärztlich abgeklärt werden sollten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bleiben der zuverlässigste Weg, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen und Mutter und Kind sicher durch die Schwangerschaft zu begleiten.